Ein Traum (A Dream) by Franz Kafka


This text was started on July 9th 2026, and is a translation of Ein Traum by Franz Kafka. It is pending publication and will be published later on. It is written with thanks to René, who read it over and provided feedback.


A Dream

Franz Kafka

English

Josef K. dreamt:
It was a beautiful day and K. wanted to go for a walk. But scarcely had he taken two steps when he was already at the cemetery. Its paths were very artificial, impractical in their windings, but he glided over such a path as if over rushing water, with an unshakeably hovering posture. Already from a distance, he caught sight of a freshly raised burial mound, where he intended to stop. This burial mound exerted an almost irresistible pull on him, and he felt he could not get there fast enough. At times, however, he could barely see the burial mound; it was obscured by cloths that writhed and struck together with much force; the flag-bearers themselves were not visible, yet it seemed as though great rejoicing reigned there.

While his gaze was still directed into the distance, he suddenly saw the same burial mound near him on the path - indeed, almost already behind him. He sprang hastily into the grass. As the path continued to rush beneath the foot with which he sprang, he staggered and fell to one knee directly in front of the burial mound. Two men stood behind the grave, holding a headstone suspended in the air between them; no sooner had K. appeared than they thrust the stone into the earth, and it stood there as if cemented in place. Immediately from a thicket emerged a third man, whom K. at once recognised as an artist. He was dressed in nothing but trousers and a poorly buttoned shirt; on his head was a velvet cap; in his hand he held an ordinary pencil, with which he was already tracing figures in the air even as he approached.

He now applied this pencil to the top end of the stone; the stone was very high, he didn't have to bend down at all, but he did have to lean forward, because the burial mound, which he did not want to step on, separated him from the stone. So he stood on his tiptoes and supported himself with his left hand on the face of the stone. Through particularly skilled handling, he managed to produce gold letters with the ordinary pencil; he wrote: "Here lies-" Each letter came out clean and beautiful, deeply incised and of the purest gold. Once he had written the two words, he looked back at K.; K., who was very eager to see the inscription continue, hardly paid any attention to the man, but only looked at the stone. And, indeed, the man was about to continue writing, but he could not; some obstacle prevented him. He lowered his pencil and turned back to K. This time, K. looked at the artist who, he noticed, was greatly embarrassed, but could not indicate why. All his former vivacity was gone. As a result, K. was also embarrassed; they exchanged helpless glances; there was an ugly misunderstanding between them that no one could resolve. To make matters worse, a small bell from the grave chapel began to ring inopportunely, but the artist gestured with his raised hand and it stopped. After a pause it began again, this time very quietly, before, without any particular prompting, breaking off immediately; it was as if it only wanted to test its sound. K. was inconsolable about the artist's predicament; he began to weep and sobbed into his cupped hands for a long time. The artist waited for K. to calm down, and then, finding no other way out, decided to continue writing. The first small stroke he made was a deliverance for K., but the artist apparently only managed to make it with the utmost reluctance; moreover, the writing was no longer so beautiful - above all, it seemed to lack gold, the stroke was pale and uncertain, only the letter grew very large. It was a J, it was almost finished when the artist angrily stamped one foot into the burial mound, making the earth around it fly up. Finally, K. understood him; there was no time to beg pardon; with all his fingers, he dug into the earth, which offered scant resistance; everything seemed prepared; purely for appearances was a thin crust of earth raised; directly behind it, a large hole opened with sheer walls, into which K., turned onto his back by a gentle current, sank. But while below, with his head still erect, he was already being swallowed up by the impenetrable depths, up above his name rushed across the stone with tremendous embellishments.

Enraptured by this sight, he woke up.

Ein Traum

Franz Kafka

Deutsch

Josef K. träumte:
Es war ein schöner Tag und K. wollte spazieren gehen. Kaum aber hatte er zwei Schritte gemacht, war er schon auf dem Friedhof. Es waren dort sehr künstliche, unpraktisch gewundene Wege, aber er glitt über einen solchen Weg wie auf einem reißenden Wasser in unerschütterlich schwebender Haltung. Schon von der Ferne fasste er einen frisch aufgeworfenen Grabhügel ins Auge, bei dem er Halt machen wollte. Dieser Grabhügel übte fast eine Verlockung auf ihn aus und er glaubte, gar nicht eilig genug hinkommen zu können. Manchmal aber sah er den Grabhügel kaum, er wurde ihm verdeckt durch Fahnen, deren Tücher sich wanden und mit großer Kraft aneinanderschlugen; man sah die Fahnenträger nicht, aber es war, als herrsche dort viel Jubel.

Während er den Blick noch in die Ferne gerichtet hatte, sah er plötzlich den gleichen Grabhügel neben sich am Weg, ja fast schon hinter sich. Er sprang eilig ins Gras. Da der Weg unter seinem abspringenden Fuß weiter raste, schwankte er und fiel gerade vor dem Grabhügel ins Knie. Zwei Männer standen hinter dem Grab und hielten zwischen sich einen Grabstein in der Luft; kaum war K. erschienen, stießen sie den Stein in die Erde und er stand wie festgemauert. Sofort trat aus einem Gebüsch ein dritter Mann hervor, den K. gleich als einen Künstler erkannte. Er war nur mit Hosen und einem schlecht zugeknöpften Hemd bekleidet; auf dem Kopf hatte er eine Samtkappe; in der Hand hielt er einen gewöhnlichen Bleistift, mit dem er schon beim Näherkommen Figuren in der Luft beschrieb.

Mit diesem Bleistift setzte er nun oben auf dem Stein an; der Stein war sehr hoch, er musste sich gar nicht bücken, wohl aber musste er sich vorbeugen, denn der Grabhügel, auf den er nicht treten wollte, trennte ihn von dem Stein. Er stand also auf den Fußspitzen und stützte sich mit der linken Hand auf die Fläche des Steines. Durch eine besonders geschickte Hantierung gelang es ihm, mit dem gewöhnlichen Bleistift Goldbuchstaben zu erzielen; er schrieb: ›Hier ruht -‹ Jeder Buchstabe erschien rein und schön, tief geritzt und in vollkommenem Gold. Als er die zwei Worte geschrieben hatte, sah er nach K. zurück; K., der sehr begierig auf das Fortschreiten der Inschrift war, kümmerte sich kaum um den Mann, sondern blickte nur auf den Stein. Tatsächlich setzte der Mann wieder zum Weiterschreiben an, aber er konnte nicht, es bestand irgendein Hindernis, er ließ den Bleistift sinken und drehte sich wieder nach K. um. Nun sah auch K. den Künstler an und merkte, dass dieser in großer Verlegenheit war, aber die Ursache des- sen nicht sagen konnte. Alle seine frühere Lebhaftigkeit war verschwunden. Auch K. geriet dadurch in Verlegenheit; sie wechselten hilflose Blicke; es lag ein hässliches Missverständnis vor, das keiner auflösen konnte. Zur Unzeit begann nun auch eine kleine Glocke von der Grabkapelle zu läuten, aber der Künstler fuchtelte mit der erhobenen Hand und sie hörte auf. Nach einem Weilchen begann sie wieder; diesmal ganz leise und, ohne besondere Aufforderung, gleich abbrechend; es war, als wolle sie nur ihren Klang prüfen. K. war untröstlich über die Lage des Künstlers, er begann zu weinen und schluchzte lange in die vorgehaltenen Hände. Der Künstler wartete, bis K. sich beruhigt hatte, und entschloss sich dann, da er keinen andern Ausweg fand, dennoch zum Weiterschreiben. Der erste kleine Strich, den er machte, war für K. eine Erlösung, der Künstler brachte ihn aber offenbar nur mit dem äußersten Widerstreben zustande; die Schrift war auch nicht mehr so schön, vor allem schien es an Gold zu fehlen, blass und unsicher zog sich der Strich hin, nur sehr groß wurde der Buchstabe. Es war ein J, fast war es schon beendet, da stampfte der Künstler wütend mit einem Fuß in den Grabhügel hinein, dass die Erde ringsum in die Höhe flog. Endlich verstand ihn K., ihn abzubitten war keine Zeit mehr; mit allen Fingern grub er in die Erde, die fast keinen Widerstand leistete; alles schien vorbereitet, nur zum Schein war eine dünne Erdkruste aufgerichtet; gleich hinter ihr öffnete sich mit abschüssigen Wänden ein großes Loch, in das K., von einer sanften Strömung auf den Rücken gedreht, versank. Während er aber unten, den Kopf im Ge- nick noch aufgerichtet, schon von der undurchdringlichen Tiefe aufgenommen wurde, jagte oben sein Name mit mächtigen Zierraten über den Stein.

Entzückt von diesem Anblick erwachte er.

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